Jeden Monat neue Schilddrüsenkrebsfälle

Studienergebnisse der Fukushima Medical University

Am 30. November 2015 veröffentlichte die Fukushima Medical University die neuesten Daten der Schilddrüsenuntersuchungen an Kindern in der Präfektur Fukushima. Diese bestehen aus zwei getrennten Teilen: einer sogenannten Baseline-Studie (“baseline screening”) und einer Hauptuntersuchung (“full scale examination”).

Die Baseline-Studie
Im Rahmen der sogenannten Baseline-Studie sollte zwischen Oktober 2011 und März 2014 die Prävalenz, also die natürliche Häufigkeit von Schilddrüsenkrebsfällen in der pädiatrischen Bevölkerung festgestellt werden. Die jährliche Rate von Neuerkrankungen (Inzidenz) von Schilddrüsenkrebs bei Kindern in Japan wird vom japanischen Gesundheitsministerium mit 0,3 pro 100.000 angegeben.

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Hohe Strontium-Konzentrationen in Zähnen und Knochen

Neue Studienergebnisse

Strontium-90 zählt als „knochensuchendes“ radioaktives Isotop, als reiner Betastrahler und mit seiner Halbwertszeit von 28,8 Jahren zu den gefährlichsten Emissionen bei Atomkatastrophen. Es wird vom Körper, ähnlich wie Kalzium, in Knochen eingebaut und kann dort das empfindliche Knochenmark schädigen und Leukämien verursachen. Das nur schwer messbare Isotop ist, wie eine Doktorarbeit der Tohoku-Universität Sendai zeigt, nicht nur in Bodenproben der verstrahlten Regionen nachweisbar, sondern auch in Zähnen und Knochen junger Rinder aus den Evakuierungsgebieten rund um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima - in Konzentrationen von rund 150 Becquerel Strontrium-90 pro Kilogramm.

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Gefahren ionisierender Strahlung

Ulmer Expertentreffen

Auf einem Expertentreffen auf Einladung der IPPNW am 19. Oktober 2013 in Ulm (Deutschland) warnten Ärzte und Wissenschaftler vor Gesundheitsschäden durch ionisierende Strahlung. Die Hintergrundstrahlung, die medizinische Strahlendiagnostik, die Atomenergienutzung und Atomwaffentests verursachen epidemiologisch nachweisbare Gesundheitsschäden. Ausgelöst werden diese schon durch Strahlendosen in der Größenordnung von 1 Millisievert (mSv). Es gibt keinen Schwellenwert, unterhalb dessen Strahlung unwirksam wäre. Mit der Anwendung des Kollektivdosiskonzepts können entsprechende Gesundheitsrisiken, beispielsweise die Folgen von Atomunfällen, quantitativ abgeschätzt werden. Die Experten fordern zudem die Einführung eines risiko-basierten Strahlenschutzkonzepts. Das IPPNW-Dokument "Gefahren ionisierender Strahlung" vom 11. Januar 2014 könnte zur überfälligen Neubewertung des Risikos ionisierender Strahlung und zur Anpassung des Strahlenschutzes beitragen:

Gefahren ionisierender Strahlung - Ergebnisse des Ulmer Expertentreffens vom 19.10.2013 (IPPNW-Informationen vom 15.01.2014)

Strahlenschutz


Lehren aus den Erfahrungen nach 25 Jahren Tschernobyl und nach Fukushima für den Strahlenschutz in Deutschland

Welche Lehren und Forderungen lassen sich aus den Erfahrungen nach 25 Jahren Tschernobyl und nach Fukushima für den Strahlenschutz in Deutschland ziehen? Die offizielle Strahlenschutzgesetzgebung in der BRD ist im Bereich der radioaktiven Niedrigstrahlung nicht mehr aktuell. Nicht nur eine Hochdosis-Strahlungsexposition, sondern auch niedrigste radioaktive Dosen können Gesundheitsschäden auslösen ...

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“Reference Embryo” statt “Reference Man”
Interview mit Dr. med. Winfrid Eisenberg

Es ist mittlerweile unbestritten, dass die Strahlenempfindlichkeit von Kleinkindern sowie von Feten und Embryos wesentlich höher als die erwachsener Menschen ist. Deshalb fordert die IPPNW jetzt endlich den "Reference-Man" im Strahlenschutz durch einen aktualisierten "Reference-Embryo" zu ersetzen. Kinderarzt Dr. Winfrid Eisenberg erklärt die Hintergründe im Interview.

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Wie gefährlich ist radioaktive Strahlung?

Von Dr. med. Angelika Claußen [16.03.2011]

Die Wissenschaft ist sich inzwischen einig: Es gibt keinen Schwellenwert, auch die niedrigsten Dosen können Schäden auslösen. Unterschieden wird zwischen zwei unterschiedlichen Szenarien. Einmal die akute Hochdosisstrahlung, der die Arbeiter und das Rettungspersonal am Reaktor ausgesetzt sind, zum anderen, die mindestens Jahrzehnte andauernde chronische Niedrigstrahlung, der die Bevölkerung wie auch das Rettungspersonal in der Umgebung der atomaren Katastrophe in Japan ausgesetzt ist.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass das geographische Ausmaß, welche Gebiete von dem radioaktiven Fallout oder Wolke betroffen sind bzw. sein werden, noch längst nicht absehbar ist. Das gilt ebenfalls für die Strahlendosis und die Zusammensetzung der radioaktiven Spaltprodukte.

Mit Hochdosisstrahlung (Hochdosisexposition) haben wir es ab 0,5 Sievert (Sv) zu tun. Die getroffenen Zellen zeigen schwere Funktionsstörungen. Sie können sich nicht mehr teilen oder sterben sogar ab. Der Schweregrad der Sofortwirkungen hängt von der Strahlendosis ab. Die sofortigen Akutschäden des Organismus bei der akuten Strahlenkrankheit umfassen:

  • Sofortige Schwächung des Immunsystems; Infekte
  • Veränderung des Blutbildes und Blutung
  • Schädigung des Magen-Darm-Traktes; Erbrechen
  • Schädigung innerer Organe sowie des Zentralnervensystems

Akute Schäden (nach Minuten oder Stunden) oder subakute (nach Tagen oder Monaten) Sofortwirkungen beginnen ab 0,5 Sv (= 500 Millisievert) mit Übelkeit und Erbrechen. Zwischen 1 und 3 Sv (1000 – 3000 Millisievert) treten Blutungen und Schleimhautgeschwüre auf. Bei 5 Sv (5000 Millisievert) stirbt die Hälfte der Bestrahlten. Ab 10 Sv (10.000 Millisievert) besteht keine Überlebenschance.
Mit Niedrigstrahlung (Niedrigdosisexposition) haben wir es im Bereich von 0 bis 0,5 Sv (0 - 500 Millisievert) zu tun. Diese Problematik war in den vergangenen 25 Jahren Gegenstand von Untersuchungen in Folge der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sowie beispielsweise auch von Studien an Beschäftigten in Atomanlagen. Mehr dazu: www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/ippnw_aktuell_24_web.pdf

Mögliche Krankheiten, die als Spätschäden infolge von Niedrigstrahlung entstehen, sind:

  • Krebserkrankungen einschließlich Leukämien
  • Genetische Schäden in den Folgegenerationen, schwere Fehlbildungen (u.a. Down-Syndrom, Totgeburten, Fehlgeburten, "fehlende Kinder")
  • zahlreiche mögliche Nicht-Krebserkrankungen (Herz-/Kreislaufschäden, Bluthochdruck, Diabetes, hirnorganische Veränderungen, Augenschäden, Infektionsanfälligkeit)

Hinweis: 1 Sievert (Sv) = 1000 Millisievert (mSv) = 1.000.000 Mikrosievert (µSv)

IPPNWfactsheet Radioaktivität

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Maßeinheiten

Das Sievert (Sv) dient als Maßeinheit zur Bestimmung der Strahlenbelastung biologischer Organismen und wird bei der Analyse des Strahlenrisikos verwendet. 

1 Sievert (Sv) =
1000 Millisievert (mSv) =
1.000.000 Mikrosievert (µSv)

Die Strahlungsdosis pro Zeitspanne wird als Dosisleistung bezeichnet.

Der Jahresgrenzwert für Erwachsene liegt gemäß der deutschen Strahlenschutz- verordnung bei 1 mSv.

Becquerel (Bq), ist die Einheit der Aktivität eines radioaktiven Stoffes. Die Aktivität gibt die mittlere Anzahl der Atomkerne an, die pro Sekunde radioaktiv zerfallen.

Die aktuellen EU-Grenzwerte liegen zwischen 200 und 600 Becquerel Cäsium pro Kilogramm (Bq/kg) Lebensmittel.

Ein Gray ist für Röntgen-, Gamma- und Beta-Strahlung identisch mit einem Sievert, denn beides beschreibt 1 Joule pro kg, wird jedoch als Dosisgröße für den praktischen Gebrauch benutzt, während das Sievert als Äquivalentdosis gebraucht wird.

IPPNWfactsheet Radionuklide

IPPNWfactsheet über die verschiedenen radioaktiven Stoffe und ihre Wirkung auf die Gesundheit

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