Hohe Strontium-Konzentrationen in Zähnen und Knochen

Neue Studienergebnisse

Strontium-90 zählt als „knochensuchendes“ radioaktives Isotop, als reiner Betastrahler und mit seiner Halbwertszeit von 28,8 Jahren zu den gefährlichsten Emissionen bei Atomkatastrophen. Es wird vom Körper, ähnlich wie Kalzium, in Knochen eingebaut und kann dort das empfindliche Knochenmark schädigen und Leukämien verursachen. Das nur schwer messbare Isotop ist, wie eine Doktorarbeit der Tohoku-Universität Sendai zeigt, nicht nur in Bodenproben der verstrahlten Regionen nachweisbar, sondern auch in Zähnen und Knochen junger Rinder aus den Evakuierungsgebieten rund um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima - in Konzentrationen von rund 150 Becquerel Strontrium-90 pro Kilogramm.


Erschreckend ist vor allem, dass es sich dabei um Rinder aus Gebieten mit einer vergleichsweise geringen Ortsdosisleistung handelt. Das Strontium-90-Problem könnte weitaus größer sein als bisher dargestellt, zumal Strontium von Kulturpflanzen leichter aufgenommen werden kann als Cäsium und in einigen der untersuchten Proben die Strontium-Konzentrationen bereits höher waren als die von Cäsium.

Auch sind keineswegs nur die Evakuierungsgebiete mit Strontium-90 belastet. Hohe Konzentrationen wurden beispielsweise 40 Kilometer nördlich des Atomkraftwerks im Gebiet der Küstenstadt Soma gefunden. Geringere Bodenbelastungen fand man selbst noch in 195 km Entfernung in der rund 30 km nördlich von Tokio entfernt gelegenen Stadt Kashiwa sowie 244 km von Fukushima entfernt in der Großstadt Yokohama, ebenfalls im Ballungsgebiet von Tokio.


Die Sorge ist groß, dass radioaktives Strontium nicht nur von Rindern und anderen Nutztieren, sondern auch von Menschen mit Luft, Wasser und Nahrung in relevanten Mengen aufgenommen wurde. Engagierte Wissenschaftler aus Japan haben deshalb bereits jetzt damit begonnen, Milchzähne von Kindern zu sammeln, um diese auf Strontium zu untersuchen. Ähnliche Untersuchungen hatten in den 1960er Jahren erhöhte Strontiumkonzentrationen in den Milchzähnen US-amerikanischer Kinder gefunden und somit zum weltweiten Verbot überirdischer Atomwaffentests beigetragen. Die japanischen Wissenschaftler erhoffen sich durch ihre prospektive Studie Aussagen über die gesundheitlichen Risiken in den verstrahlten Gebieten in Japan.

Weiterlesen:
Strahlentelex: Hohe Strontium-Konzentrationen in Zähnen und Knochen
Henrik Paulitz: Strontium-Freisetzungen aus Fukushima

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Maßeinheiten

Das Sievert (Sv) dient als Maßeinheit zur Bestimmung der Strahlenbelastung biologischer Organismen und wird bei der Analyse des Strahlenrisikos verwendet. 

1 Sievert (Sv) =
1000 Millisievert (mSv) =
1.000.000 Mikrosievert (µSv)

Die Strahlungsdosis pro Zeitspanne wird als Dosisleistung bezeichnet.

Der Jahresgrenzwert für Erwachsene liegt gemäß der deutschen Strahlenschutz- verordnung bei 1 mSv.

Becquerel (Bq), ist die Einheit der Aktivität eines radioaktiven Stoffes. Die Aktivität gibt die mittlere Anzahl der Atomkerne an, die pro Sekunde radioaktiv zerfallen.

Die aktuellen EU-Grenzwerte liegen zwischen 200 und 600 Becquerel Cäsium pro Kilogramm (Bq/kg) Lebensmittel.

Ein Gray ist für Röntgen-, Gamma- und Beta-Strahlung identisch mit einem Sievert, denn beides beschreibt 1 Joule pro kg, wird jedoch als Dosisgröße für den praktischen Gebrauch benutzt, während das Sievert als Äquivalentdosis gebraucht wird.

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