Neue Studie: Gesundheitsfolgen von Tschernobyl und Fukushima

Den 5. Jahrestag der Atomkatastrophe von Fukushima und den 30. Jahrestag von Tschernobyl nahm die IPPNW zum Anlass, um erneut Bilanz zu ziehen: Ihr Bericht "5 Jahre Leben mit Fukushima - 30 Jahre Leben mit Tschernobyl" vom Februar 2016 zeigt, dass die gesundheitlichen Folgen der Atomkatastrophen bis heute andauern und die Kapitel Tschernobyl und Fukushima noch jahrzehntelang nicht geschlossen werden dürfen. Der Bericht gibt einen Überblick über die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse und erläutert den derzeitigen Stand des Wissens zu den Folgen der beiden Atomkatastrophen.

Betrachtet man die wichtigsten internationalen Forschungsergebnisse, so liegt die Anzahl der zu erwartenden Tschernobyl-bedingten Krebserkrankungen zwischen einigen Zehntausend und rund 850.000.

In Japan sind im Laufe der nächsten Jahrzehnte knapp 10.000 zusätzliche Krebsfälle zu erwarten, selbst wenn man mit den geschönten UNSCEAR-Zahlen und konservativen Risikofaktoren rechnet. Nutzt man andere Daten und modernere, realistischere Risikofaktoren, kommt man auf deutlich höhere Zahlen, etwa bis zu 66.000 zusätzlichen Krebsfällen, ca. die Hälfte davon mit tödlichem Verlauf.

"Der öffentliche Diskurs zu den gesundheitlichen Folgen der atomaren Katastrophen sollte nicht um Profite, Macht und politischen Einfluss geführt werden, sondern das Schicksal und die Gesundheit der betroffenen Menschen im Blick haben. Die Gesundheitsrisiken müssen von unabhängigen Wissenschaftlern untersucht werden und jeder Verdacht auf Beeinflussung durch die Atomindustrie und ihre politischen Unterstützer muss ausgeschlossen sein. Umfangreiche Studien sind nötig, um die gesundheitlichen Konsequenzen für die betroffene Bevölkerung zu verstehen, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zukünftige Generationen durch neue Erkenntnisse vor den Folgen ionisierender Strahlung besser zu schützen. Es geht um mehr als nur das Prinzip der unabhängigen Forschung, die sich dem Einfluss mächtiger Lobbygruppen widersetzt. Es geht um das universelle Recht eines jeden Menschen auf Gesundheit und das Leben in einer gesunden Umwelt", erklärt der Autor des Berichts, der stellvertretende IPPNW-Vorsitzende Dr. Alex Rosen.

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