Neuer IAEO-Bericht zu Fukushima

Yukiya Amano

[10.07.2015] Im Mai 2015 übermittelte die Internationalen Atomenergie Organisation (IAEO) einen neuen Bericht über die Atomkatastrophe in Fukushima an ihre Mitgliedsstaaten. IAEO- Generaldirektor Yukiya Amano räumte in diesem Zusammenhang ein, dass die von General Electric entwickelten Siedewasserreaktoren „gewisse Schwächen im Kraftwerksdesign“ aufwiesen. Hinzu gekommen seien Defizite in der Notfallvorsorge und Gefahrenabwehr  sowie Planungsmängel bei der Vorbereitung auf einen schweren Atomunfall. Zudem sei die „Vorsorge für einen Atomunfall in Verbindung mit einer großen Naturkatastrophe“ unzulänglich gewesen, so Amano. Dem IAEO-Bericht zufolge bestehen erhebliche Unsicherheiten darüber, welchen Strahlendosen die japanische Bevölkerung zu Beginn der Atomkatastrophe ausgesetzt wurde.

Der neue IAEO-Bericht stellt eine bemerkenswert offene Kritik am Atomkraftwerksbetreiber TEPCO, an den japanischen Aufsichtsbehörden wie auch am Atomkraftwerkshersteller General Electric (heute: GE Hitachi Nuclear Energy) dar. Allerdings ist das Einräumen gewisser Fehler und das Rügen beteiligter Akteure aus der Sicht einer Organisation wie der IAEO, die der weltweiten Förderung der Atomindustrie verschrieben ist, auch als Versuch zu verstehen, durch Bauernopfer in Japan Glaubwürdigkeit für die Atomindustrie allgemein wiederzugewinnen. Der Umstand, dass technische „Schwächen im Kraftwerksdesign“ eingeräumt wurden, ist allerdings neu. Bislang war es üblich, schwere Störfälle und Atomunfälle auf Fehler der Betriebsmannschaft abzuwälzen. Dieses Einräumen von technischen Fehlern müsste Konsequenzen für die weltweit derzeit noch in Betrieb befindlichen Atomkraftwerke, insbesondere Siedewasserreaktoren haben.

Der IAEO-Bericht beinhaltet neben der Kritik an den japanischen Behörden allerdings auch zahlreiche fehlerhafte Annahmen und Aussagen, und ignoriert dabei kritische Fakten und neuere Forschungserkenntnisse zur ionisierenden Strahlung. Wie schon der UNSCEAR-Bericht im vergangenen Jahr, mutmaßt auch die atomfreundliche IAEO, dass in Japan „keine messbaren strahlenassoziierten Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit zu erwarten sind“. Diese Aussage steht in diametralem Wiederspruch zu den Messdaten von Strahlung in den betroffenen Regionen und stellt eine sträfliche Negierung strahlenbiologischer Erkenntnisse zu den Auswirkungen ionisierender Strahlung dar. Denn die japanische Bevölkerung ist aufgrund der Atomkatastrophe von Fukushima durchaus erhöhten Strahlenwerten ausgesetzt. Die Auswirkungen auf die Pflanzen- und Tierwelt werden im IAEO-Bericht prinzipiell ausgeklammert und das wahre Ausmaß der radioaktiven Verstrahlung des japanischen Festlands systematisch kleingeredet. Eine ausführliche Kritik des IAEO-Berichts wurde bereits von Greenpeace zusammengestellt.

Weiterlesen:
IAEA: IAEA Delivers Major Report on Fukushima Accident to Member States
Greenpeace: The IAEA Fukushima Daiichi Accident Summary Report: A preliminary analysis


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