Radioaktiver Müll im Grundwasser und Ozean von Fukushima

Von Dr. med. Alex Rosen

[09.07.2013]
Die Probleme im havarierten Atomkraftwerk von Fukushima sind auch mehr als zwei Jahre nach Beginn der Katastrophe noch lange nicht unter Kontrolle. Nachdem die Betreiberfirma TEPCO vor kurzem stark erhöhte Werte des radioaktiven Moleküls Tritium im Grundwasser fand, war man gezwungen, weiterführende Untersuchungen durchzuführen. Das Ergebnis: neben Tritium fand man auch das hochgiftige Strontium-90, sowie Cäsium-134 und Cäsium-137 im Grundwasser – allesamt krebserregende Strahler, die im Grundwasser überhaupt nichts zu suchen haben.

Im Laufe der letzten Wochen konnte für all diese radioaktiven Stoffe eine dramatische Zunahme im Grundwasser festgestellt werden. TEPCO durchspült die drei betroffenen Kernreaktoren mit ca. 400.000 Litern Grundwasser pro Tag. Diese enormen Mengen an Wasser werden im Inneren der verstrahlten Reaktoren kontaminiert und müssen anschließend in Auffangbecken und Wassertanks aufbewahrt werden. Eine unbekannt hohe Menge des verstrahlten Wassers sickert jedoch auch jeden Tag ins Grundwasser. Laut TEPCO würde das Grundwasser sich dann in den Ozean entleeren. Derzeit setzt sich die Betreiberfirma dafür ein, zusätzlich etwa 100.000 Liter verstrahltes Abwasser auf direktem Weg ins Meer umzuleiten, da die Wassertanks bereits zu über 80% gefüllt sind und weitere Kapazitäten kostspielig sein würden.

Tritium

Während im Dezember 2012 noch Grundwasserproben mit 29.000 Bq/l Tritium veröffentlicht wurden, lagen die Werte im May 2013 schon bei 430.000 Bq/l, also fast dem 15-fachen. Der von der Regierung festgelegte Grenzwert liegt bei 60.000 Bq/l. (TEPCO Pressemitteilung vom 06.07.2013 http://www.tepco.co.jp/en/press/corp-com/release/2013/1228788_5130.html) Tritium verhält sich chemisch wie Wasser und kann daher leicht in Körpergewebe aufgenommen werden. Es verteilt sich im Körper gleichmäßig über alle Organe und kann durch lokale Verstrahlung zu Zellschäden, Mutationen und Krebserkrankungen führen. Diese schädigende Wirkung tritt natürlich auch bei Dosen unterhalb der politisch festgelegten Grenzwerte auf. So gibt die EU-Trinkwasser-Richtlinie 98/83/EG vom 5.12.1998 auch eine deutlich vorsichtigere Empfehlung für Tritium im Trinkwasser: 100 Bq/l (http://www.wasser.de/weitere-inhalte/richt-vero/trinkwasserrichtlinie/index.htm)

Strontium-90
Strontium-90 ist ein weiteres gefährliches Isotop, welches durch die Kernschmelzen frei geworden ist und jetzt offenbar seinen Weg ins Grundwasser gefunden hat. Mit Trinkwasser oder Nahrung aufgenommen, setzt es sich ein Leben lang im Knochengewebe fest und verstrahlt das empfindliche Knochenmark. Es ist daher als Ursache von Leukämie gefürchtet. Während die Strontium-90 Werte im Grundwasser im Dezember 2012 noch 8,6 Bq/l betrugen, stiegen die Messwerte bis May 2013 auf 1.000 Bq/l an – Mehr als 30 Mal so viel wie der staatlich definierte Grenzwert von 30 Bq/l. (http://www.japantoday.com/category/national/view/tepco-finds-highly-toxic-strontium-in-fukushima-plant-groundwater)

Cäsium
Erst diese Woche kam eine neue Hiobsbotschaft hinzu: auch die beiden radioaktiven Cäsium-Isotope zeigten ein sprunghaften Anstieg im Grundwasser: das relativ kurzlebige Cäsium-134 mit einer Halbwertszeit von 2 Jahren wurde am 08. Juli in einer Konzentration von 9.000 Bq/l gemessen, das langlebige Cäsium-137 mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren sogar in eine Konzentration von 18.000 Bq/l. Noch wenige Tage zuvor lagen die Konzentrationen der beiden krebserregenden Stoffe noch deutlich niedriger: bei 99 Bq/l und 210 Bq/l, respektive. Dies entspricht einem 86-, bzw. 90-fachem Anstieg. Politisch definierte Grenzwerte liegen übrigens für Cäsium-134 bei 60 Bq/l und für Cäsium-137 bei 90 Bq/l. Ähnlich wie Tritium, verteilt sich auch Cäsium relativ gleichmäßig im Körper und kann durch lokale Verstrahlung zu Zellschäden, Mutationen und Krebsentstehung führen. (http://www.tepco.co.jp/en/press/corp-com/release/2013/1228798_5130.html)

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