Probleme bei Gesundheits-Checks der Fukushima-Arbeiter

[10.04.2015] Die weitaus höchsten Strahlendosen dürften nach der Atomkatastrophe von Fukushima die Arbeiter auf dem Kraftwerksgeländer erhalten haben. Die überwiegende Mehrheit von ihnen sind allerdings nicht Angestellte von TEPCO, sondern Hilfsarbeiter, die unter weitaus schlechteren Arbeitsbedingungen von Subunternehmen angeheuert wurden. Viele der Arbeiter wurden nie vernünftig registriert, ihre Strahlendosen nicht adäquat dokumentiert und ihre gesundheitliche Entwicklung nicht verfolgt. Oft sind sie ungelernte Tagelöhner, die kurzfristig für einzelne Arbeiten eingesetzt werden und deren Spur sich anschließend verliert.

Auch die japanische Mafia, die Yakuza, verdient japanischen Medienberichten zu Folge an den lukrativen Aufträgen der TEPCO-Subunternehmen in den Aufräumarbeiten in Fukushima, der Aufbereitung des kontaminierten Kühlwassers oder den gigantischen Bau- und Konstruktionsvorhaben rund um die Katastrophenstelle. Auch zahlreiche Freiwillige, die entweder auf eigene Faust oder im Rahmen von gut gemeinten, aber waghalsigen Voluntärseinsätzen an den Dekontaminationsarbeiten in den betroffenen Gebieten beteiligt sind, werden zum Teil hohen Strahlendosen ausgesetzt. Viele von ihnen sind verzweifelt, weil die Dekontaminationsbemühungen der Behörden nicht erfolgreich sind und sie helfen wollen, ihre Heimat wieder bewohnbar zu machen. Dabei riskieren sie jedoch langfristige gesundheitliche Schäden. Auch ihre Exposition wird weder kontrolliert noch gemessen.

Aktuell versucht die amerikanisch-japanische „Radiation Effects Research Foundation” (RERF), die auch eine Langzeitstudie der Atombombenopfer von Hiroshima und Nagasaki durchführt, die langfristigen gesundheitlichen Folgen der Atomkatastrophe von Fukushima zumindest der offiziellen Aufräumarbeiter zu untersuchen. Insgesamt gibt die RERF an, mehr als 20.000 Arbeiter untersuchen zu wollen, die von März bis Dezember 2011 auf dem Kraftwerksgelände von Fukushima tätig sind. Ob diese groß angelegte Studie wirklich diejenigen einbeziehen kann, die als ungelernte Hilfsarbeiter und Angestellte von Subunternehmen seit Jahren die gefährlichen Arbeiten auf dem Gelände der havarierten Reaktoren verrichten, ist jedoch fraglich.

So haben sich von den rund 2.000 bislang angefragten Katastrophen- und Aufräumarbeitern erst 35% bereit erklärt, an den  „Gesundheits-Checks“ teilzunehmen. Von Seiten der RERF heißt es, die Arbeiter könnten nicht erreicht werden, bzw. ihre  Aufenthaltsorte nicht bestimmt werden, was die Befürchtung zu bestätigen scheint, dass ein Großteil der Arbeiter, die erhöhten Strahlung ausgesetzt wurden, für Untersuchungen ihres Gesundheitszustands nicht herangezogen werden können. Eine epidemiologische Beurteilung der Langzeitfolgen der Strahlenbelastung wird somit unmöglich gemacht.

Die deutsche IPPNW fordert bereits seit langem eine umfassende gesundheitliche Nachbetreuung der Arbeiter, hat aber immer wieder betont, dass eine solche Studie alle Arbeiter mit einschließen muss, also auch die vielen Freiwilligen, die überhaupt keinen Regulationen unterliegen und diejenigen, die als Angestellte von Subunternehmen nicht die für TEPCO-Angestellte üblichen Sicherheits- und Gesundheitskontrollen durchlaufen.

Alex Rosen

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