Japan - Baumaterial aus Kontaminationsmüll

[11.01.2016] Die japanische Regierung plant offiziellen Berichten zufolge, den durch Fukushima entstandenen radioaktiven  Kontaminationsmüll zu „recyceln“, wie es in einem Bericht der Zeitung Asahi Shimbun vom 22. Dezember 201z heißt. Bis zu 99,8 Prozent von mehr als 20 Millionen Kubikmeter kontaminiertem Erdreich könnten "wiederverwendet" werden, behauptet das japanische Umweltministerium. Geplant ist eine Verwendung als Baumaterial für staatliche Bauvorhaben. Im Laufe des Jahres möchte das Ministerium damit beginnen, die erforderliche Technologie und erste Pilotprojekte zur Verwertung des Strahlenmülls zu entwickeln.

Der Zweck der Dekontaminationsarbeiten seit der Atomkatastrophe von Fukushima ist es, radioaktiv belastete Materialien wie Erdreich dort abzutragen, wo sich Menschen aufhalten bzw. von wo sie ihre Nahrungsmittel beziehen. Diesen Kontaminationsmüll nun als Baumaterial zu verwenden, könnte bedeuten, dass radioaktive Materialien wieder verstärkt in das Umfeld von Menschen gelangen, insbesondere wenn es um Bauprojekte in Siedlungsgebieten gehen sollte.

Auch in Deutschland steht uns eine ähnliche Debatte bevor,  denn in den kommenden Jahrzehnten sollen mehr als ein Dutzend Atomreaktoren "zurückgebaut" werden. Das bedeutet im Klartext, dass enorme Mengen an radioaktivem Müll anfallen werden - als nukleares Erbe für kommende Generationen. Während für den hochradioaktiven Müll,  also beispielsweise die abgebrannten Brennstäbe, gerade langfristige Lösungen erarbeitet werden, die beispielsweise auf eine sogenannte "Endlagerung" in speziellen Gesteinsformationen hinaus laufen könnten, besteht ernsthafte Sorge, dass die weitaus größere Masse an strahlendem Abfall, der schwach oder mittelgradig radioaktive Müll, "freigemessen" und nach entsprechender Verdünnung mit anderen Materialien in den normalen Verwertungskreislauf überführt werden soll.

So könnten Heizkörper, Fahrräder oder sogar Bettgestelle zukünftig radioaktive Metallreste aus abgerissenen Atomkraftwerken beinhalten. Die chronische Exposition mit niedrig dosierter radioaktiver Strahlung kann dabei durchaus signifikante Gesundheitsschäden verursachen, wie beispielsweise die Erhöhung des Krebsrisikos, auch wenn die gesetzlichen Grenzwerte formell unterschritten werden. Eine lange und schwere Debatte steht der Gesellschaft bevor: wie viel gesundheitliches Risiko ist uns die "billigere" Entsorgung des Atommülls wert und gäbe es nicht andere, bessere Alternativen? Die deutsche IPPNW bringt in ihrer aktuellen Publikation "Freigabe radioaktiven Materials beim AKW-Abriss" den permanenten Einschluss ausgedienter Atomkraftwerke ins Spiel, um so eine Exposition mit radioaktiven Stoffen für die Bevölkerung auf ein Minimum zu halten.

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