Mehr als 100 Schilddrüsenkrebsfälle bei Kindern in Fukushima - mehr als 22.000 Kinder mit neuen Zysten und Knoten

Mutter und Kind mit Ergebnissen des Schilddrüsensreenings, Foto: Ian Thomas Ash

[10.06.2015] Am 18. Mai wurden die neuesten Zahlen der Schilddrüsenkrebsstudie der Präfektur Fukushima veröffentlicht. Inzwischen mussten insgesamt 103 Kinder wegen schnell wachsender oder metastasierter Schilddrüsenkrebsfälle operiert werden. Bei 23 weiteren besteht der akute Verdacht auf Schilddrüsenkrebs. Beunruhigend ist darüber hinaus die Zunahme der abklärungsbedürftigen Befunde während der letzten zwei Jahre: Bei 22.837 Kindern, bei denen im ersten Screening noch gar keine Schilddrüsenanomalien gefunden wurden, stellte man nun im Zweitscreening Zysten oder Knoten fest. Bei 235 von ihnen waren diese sogar so groß, dass eine weitere Abklärung dringend notwendig wurde. In bislang 5 Fällen wurden neue Krebsgeschwüre entdeckt und operiert – eine besorgniserregende Entwicklung, die sich nicht länger durch einen bloßen „Screening-Effekt“ erklären lässt.

In ganz Japan muss zudem mit einer erhöhten Zahl an Schilddrüsenkrebsfällen gerechnet werden. Im UNSCEAR Bericht von 2013 wird die kollektive Lebenszeit-Schilddrüsendosis  der japanischen Bevölkerung durch den Atomunfall von Fukushima auf 112.000 Personen-Gray geschätzt. Unter Verwendung des BEIR-VII Risikofaktors von 0,009/PGy muss somit mit rund 1.000 Schilddrüsenkrebs-Fällen gerechnet werden. Da es sich bei der von UNSEAR angegebenen Kollektivdosis jedoch um eine systematische Unterschätzung handeln dürfte, muss vermutlich noch mit weitaus höheren Zahlen gerechnet werden.

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