Geschäfte mit AKW-Rückbau

[10.04.2015]
Ähnlich wie in Deutschland sieht auch in Japan die Atomwirtschaft durch das Abschalten von Atomkraftwerken ihr lukratives Geschäftsmodell gefährdet. Anders als in Deutschland jedoch, wo der Atomausstieg in einem breiten gesellschaftlichen Konsens beschlossen wurde, genießt die japanische Atomwirtschaft trotz zahlreicher Korruptionsskandale, einer langen Reihe relevanter Unfälle bis hin zur Atomkatastrophe von Fukushima und einer mittlerweile größtenteils atomkritischen Öffentlichkeit weiterhin massive Unterstützung von Seiten der Politik. Obwohl einige Atomkraftwerke permanent abgeschaltet werden sollen (u.a. die Reaktoren in Fukushima, zwei Reaktoren des AKW Mihama, ein Reaktor des AKW Genkai, ein Reaktor des AKW Shimane und ein Reaktor des AKW Tsuruga), plant die Regierung offenbar, den Großteil der Reaktoren wieder in Betrieb zu nehmen.

Gleichzeitig stehen die Chancen für einen Neubau von Atomkraftwerken in Japan angesichts des angeschlagenen Image der Atomenergie schlecht. Das hat auch die Japan Atomic Power Company (JAPC) eingesehen, die Atomkraftwerke in Tokai und Tsuruga in Zentraljapan betreibt. Im März veröffentlichte JAPC Pläne für den Rückbau ihrer Atomkraftwerke in Japan und gleichzeitig für die Entwicklung neuer Atomkraftwerke im Ausland. Mit den beiden neuen Geschäftsfeldern möchte der japanische Atomkraftwerksbetreiber den bestehende Unsicherheiten über die fragliche Wiederinbetriebnahme der eigenen Atomkraftwerke begegnen. Bei der Stilllegung japanischer Atomkraftwerke möchte das Unternehmen auf die Erfahrungen mit dem ersten und noch laufenden Rückbau des Atomkraftwerks Tōkai zurückgreifen. Ähnlich wie in Deutschland deutet dies darauf hin, dass Atomunternehmen ein Ende des Geschäfts mit der Produktion von Atomstrom absehen und schon jetzt auf den Rückbau der Reaktoren und die Einlagerung und Sicherung des Atommülls setzen – einem für viele Jahrzehnte lukrativen Geschäftsmodell, so lange der Staat und die Gesellschaft zahlt und die Atomunternehmen nicht selber für die Kosten ihrer abgeschriebenen Meiler zur Kasse bitten. In Deutschland wie auch in Japan wird dieses Thema in den kommenden Jahren noch deutlich an Brisanz gewinnen.

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